Parkour – Eine neue Disziplin steht auf dem Programm

Beim letzten Weiterbildungstag vom 8. März 2020 durftet ihr die Sportart Parkour entdecken. Diese Disziplin wurde 2018 offiziell in den Internationalen Turnerbund aufgenommen. Der Parkour-Kurs war ein voller Erfolg und viele von euch konnten diese neuartige Sportart ausprobieren. Um diese Disziplin besser kennenzulernen, haben wir Elias Borrajo vom Verband Parkour Valais einige Fragen gestellt.

Was genau ist Parkour?

Parkour ist eine Kombination aus verschiedenen Bewegungen wie Laufen, Klettern, Springen, Balancieren sowie dem Überwinden von Hindernissen. Diese Disziplin, die hauptsächlich in der Stadt oder in der Natur praktiziert wird, erfordert Kraft, Technik und mentale Stärke. Darüber hinaus basiert Parkour auf einer Philosophie, Werten und einer Sichtweise auf unsere Umwelt und die Menschen um uns herum.

Zusammenfassend würde ich sagen, dass Parkour eine Trainingsmethode ist, ein Werkzeug, das jeder auf seine Art und Weise nutzen kann, um seinen eigenen Stil zu kreieren und diesen mit dem maximalen Potenzial weiterzuentwickeln.

Woher stammt diese Disziplin?

Der Franzose David Belle hat Parkour erfunden. Diese Disziplin entstand in den französischen Banlieues, in Lisses, in den 80er- und 90er-Jahren.

Seit wann gibt es den Verband Parkour Valais?

Der Verband Parkour Valais wurde 2017 gegründet. Aber die Traceurs (d. h. die Sportler, die Parkour ausüben) sind im Wallis schon viel länger aktiv (seit 2005 ungefähr).
Parkour Valais zählt aktuell 65 Mitglieder, davon etwa 20 bis 25 Aktivmitglieder.

Welche Angebote bietet ihr euren Mitgliedern?

  • Gruppenkurse für Erwachsene und Kinder, an zwei Tagen pro Woche
  • Privatkurse
  • Praktika / Einführungen / Workshops / Vorführungen
  • Auftritte bei Veranstaltungen
  • Videoprojekte (Dreh von Kurzfilmen)
  • Fotoshootings
  • Seit 2020 Parkour Jam


Jeden Monat organisieren wir einen Parkour-Tag, der allen offen steht. Es nehmen vor allem Traceurs teil, die gemeinsam trainieren, ihre Bewegungsabläufe teilen, sich helfen, motivieren, herausfordern und gemeinsam neue Trainingsorte entdecken.

Parkour scheint eine intensive Sportart zu sein. Wie alt sind eure Verbandsmitglieder?

Das empfohlene Alter für Parkour ist 14 Jahre. Trotzdem üben bei uns viele junge Sportler im Alter von 10 bis 13 Jahren und einige zwischen 15 und 17 Jahren Parkour aus. Unser Verband zählt auch einige erwachsene Mitglieder. Das jüngste Mitglied ist 8 Jahre alt und das älteste 38.
In diesem Jahr durchlief unser Verband eine Umstrukturierung, bei der wir die Kinder von den Erwachsenen getrennt haben. Seitdem haben wir uns zum Ziel gesetzt, vor allem die Erwachsenen zu trainieren, um ihnen eine bessere Betreuung zu bieten.

Gibt es Parkour-Wettkämpfe?

Das gibt es. Zurzeit nehmen wir als Verband aber nicht an diesen Wettkämpfen teil. Unser grösstes Interesse mit unseren Gruppenkursen besteht darin, unseren Mitgliedern und Sportlern beizubringen, ihren Körper in ihrer Umgebung auf sichere Art und Weise einzusetzen, um schwere Verletzungen zu vermeiden.

Wir fördern und unterstützen die Selbstüberwindung, das Wohlbefinden, die Sicherheit, das Gleichgewicht, die Entwicklung des eigenen Potenzials sowie den Respekt vor sich selbst und anderen Sportlern.

Unserer Meinung nach steht der Wettkampf im Widerspruch zu den Aspekten der Sicherheit und der Selbstachtung. Diese Werte versuchen wir unseren Mitgliedern zu vermitteln. An Wettkämpfen teilzunehmen bedeutet, Risiken einzugehen, die über die übliche Praxis des Parkour als Freizeitbeschäftigung hinausgehen.

2018 wurde Parkour in den Internationalen Turnerbund aufgenommen. Wären Turner gute Traceurs?

Auch wenn einige Bewegungen ähnlich erscheinen mögen, sind Parkour und das Turnen zwei verschiedene Disziplinen.

Parkour findet im Freien statt. Alle Elemente aus der Umgebung werden genutzt, von den Betonwänden bis hin zum Boden, ohne Matten oder weiche Oberflächen. Der Sportler muss die oben genannten Parkour-Techniken beherrschen, mental bereit und immer konzentriert sein. Die körperliche Vorbereitung ist wichtig, um die Aufprälle während des Trainings abzudämpfen. Die Konzentration ist entscheidend, um Verletzungen zu vermeiden.
Mit ihren athletischen Fähigkeiten und ihrer Körperbeherrschung könnten Turnerinnen und Turner leicht die Parkour-Grundlagen erlernen und, warum nicht, zukünftige Traceurs werden. Unser Verband heisst Turnerinnen und Turner herzlich willkommen, die daran interessiert sind, Parkour in unserer Gruppe oder im Einzelunterricht zu lernen.